Wie bei einer Sagenkahnfahrt Unterhaltung und Wissen auf angenehme Weise verbunden werden können
Für Urlauber kann die Wissensvermittlung über Traditionen und Geschichte des Spreewalds nicht unterhaltsamer sein als durch eine qualifizierte Kahnfahrt! Auch Einheimische nutzen gern das Angebot, um ihr Wissen aufzufrischen. Die Niedersorbische Kulturakademie hat eine Veranstaltungsreihe aufgelegt, die insgesamt neun Kahnfahrtermine umfasst.















Ab der Grünen Ecke in Burg Kauper fahren in den Abendstunden die Kähne in den Spreewald. Schon kurz nach der Abfahrt werden die Kahnfahrgäste auf Niedersorbisch/Wendisch vom Irrlicht (Daniela Frank) unerwartet aus dem Gebüsch heraus angesprochen. Erschrockenes Schweigen seitens der Gäste, denn sie verstehen in der Regel kein Wort. Das ist natürlich beabsichtigt, um den Gästen einen Eindruck vom Klang der sorbischen Sprache zu vermittteln. „Ach, ihr seid nur des Deutschen mächtig! In alten Zeiten sprach man hier nur Sorbisch!“, ruft das Irrlicht, auch Bludnik genannt, den Gästen zu.
Es folgte ein unterhaltsamer Dialog, interaktiv mit den Gästen im Kahn, über die Sagenfiguren des Spreewaldes, von denen einige noch am Ufer auf die Kahnfahrer warten und sich schon „freuen“ würden. Musikalisch wurde das Lied des Irrlichts eigens von Frank Kossick selbst, dem sorbischen Komponisten, Autor und Bandleader der Gruppe Kula Bula, auf der Gitarre begleitet.
Der Wassermann (Michael Apel), auch Nykus genannt, stellte bekanntes Wissen infrage, er leugnete wort- und gestenreich die Eiszeit und andere wissenschaftliche Erkenntnisse bis hin zu den Klimaveränderungen. Den Gästen schwante da schon, in welche Richtung angesichts der aktuellen Situation die Aussagen zielen … Michael Apel zitierte seine Großmutter so, als wäre sie dabei gewesen, als der Teufel den Spreewald schuf. „Meiner wend’schen Großmutter kauf‘ ich alles ab, Oma hatte immer recht! Das mit der Eiszeit ist Quatsch, keiner war je dabei gewesen!“ Pointenreich ging Apel auch auf Spreewälder Traditionen ein – und er hatte die Lacher mehrfach auf seiner Seite. Mit der Erzählung vom wend’schen Pantoffelwurf als Schwangerschaftstest entließ er seine nachdenklich schmunzelnden Zuhörer in Richtung eines schon wartenden Dudelsackspielers.
Gerhard Paucker und Jan Kossick waren weitere Musikanten an der abendlichen Kahnfahrstrecke. Beide berichteten von der wendischen Musik und deren Instrumenten. Gerhard Pauker begrüßte die Gäste im „Dudelsackland“, denn als solches galt die Lausitz früher. Er gab Kostproben seines (Dudelsack-)Könnens ab.
Zwischen den Stationen war für Fährmann Sebastian Sporn reichlich Gelegenheit, seine Gäste über den Spreewald zu informieren. Besonders der Kahnbau und die Kahnpflege waren von Interesse.
Nach so viel Wissensaufnahme, nach so viel Kultur, kann und muss der Abend gemütlich enden: Die niedersorbische Band Kula Bula spielte zum Tanz auf, am Gesangsmikrofon Daniela Frank, das Irrlicht. Die Sängerin, mit sorbischen Wurzeln in der Mittellausitz aus dem Dorf Sabrodt/Zabrod, pendelt regelmäßig zwischen ihrem jetzigen Wohnsitz in der Pfalz und der Lausitz hin und her. Neben ihrer Arbeit als Ärztin ist sie leidenschaftliche Musikerin: „Zwar singe ich seit meiner Jugend in einer Rockband in Mannheim, kann aber bei Kula Bula das Sorbische mit der internationalen Folklore und der Swing/Jazz-Musik mit Tracht und Schauspiel verbinden. Das gibt es sonst so nirgendwo!“
Michael Apel, ein ausgebildeter Bühnentänzer,Choreograph und Schauspieler, baute einen Basiskurs zu wendischen Tänzen ein. So manch ein Urlauber tanzte auf der Sporn´schen Wiese an der Grünen Ecke zum ersten Mal, neben den traditionellen wendischen Tänzen, auch die Annemarie-Polka.
Bernhard und Swetlana Grasselt aus Raddusch gehörten zur Gruppe der wenigen Einheimischen. Swetlana Grasselt: „Ich fühle mich sehr wohl hier, die vielen wendischen Begriffe, die Sprache, das alles erinnert mich ein wenig an meine russische Muttersprache.“
Nächster Termin: 28. August 2026
Mehr Informationen auf der Webseite des Veranstalters
Peter Becker, 17..06.26
