Radduscher Maibaum am alten und doch neuen Ort aufgestellt

Radduscher Maibaum am alten und doch neuen Ort aufgestellt

Im 25. Jubiläumsjahr des Radduscher Heimat- und Trachtenvereins erfolgte das Aufstellen des Maibaums zwar wie immer auf dem Dorfplatz, aber inmitten der neuen Tanzfläche. Auf der wurde anschließend ausgiebig in den Mai getanzt.

Das Aufstellen der Maibäume hat eine sehr lange Tradition, wie Ortschronist Manfred Kliche in seiner Moderation vor den Zuschauern, darunter viele Urlauber, berichtete: „Er symbolisiert die neue Jahreszeit, Kranz und Bänder stellen zugleich Ehrung und Wunsch für gutes Wachstum und reiche Ernte dar.“ Der Baum, eine Birke aus Radduscher Flur, wurde entrindet, damit „Altes, vielleicht Schädigendes“ entfernt ist und nicht in die Zukunft wirken kann.

Eine seit vielen Jahren in Raddusch gepflegte Tradition ist der Bändertanz. Die Dorfjugend umtanzt mit langen Bändern in der Hand den Maibaum, sodass ein Flechtmuster am Baum entsteht.

Die Dorfjugend tanzt den Maibaum mit dem Bändertanz ein.

Diese Form der Verehrung des Maibaums hat sich in der Radduscher Traditionspflege inzwischen derart verfestigt, dass es inzwischen auch noch den „Tanz um den kleinen Maibaum“ gibt. Die Dorfjüngsten, angeleitet von Sandy Ackermann und Anja Kienz, vollführen einen Mini-Bändertanz um einen mobilen Maibaum. Dieser kommt auch bei anderen Veranstaltungen zum Einsatz, etwa beim Hafenfest. Sandy Ackermann: „Wir proben jeden Freitag um 17 Uhr in der Sport- und Kulturscheune und freuen uns über regen Zulauf, denn unsere Kleinen werden schließlich größer – wir nehmen gern Kinder ab dem Vorschulalter auf.“ Ein Trachtendetail, ein ganz spezielles und nur in Raddusch zu sehendes, ist der perlenbestückte Gürtel. In anderen Orten tragen die Frauen Schleifen, doch in Raddusch sind es seit über 100 Jahren aufwendig bestückte Gürtel. Um auch die Kindertracht mit diesen Gürteln ausstatten zu können, stellt Sandy Ackermann diese nun selbst her.

Aufstellung zum Bändertanz der Kleinen

Der Höhepunkt des Abends war natürlich das eigentliche Aufstellen des 13 Meter langen Maibaums durch 22 starke Männerhände. Mit vereinter Kraft und lautstarken Ansagen wurde die Birke an ihren Standort verbracht. Es ist der gleiche wie früher, aber inzwischen inmitten einer erst in diesem Jahr fertig gewordenen Tanzfläche, einschließlich zweier Sitzgruppen auf dem Platz.

Ortsvorsteher Udo Saaro kümmerte sich mit dem Ortsbeirat um die Beschaffung des Materials und klärte die Finanzierung über das Ortsteilebudget der Stadt. Endlich war die mobile und inzwischen marode Tanzfläche aus Holz Geschichte, denn sie musste – nur für den Maitanz – umständlich aufgebaut und anschließend wieder entfernt werden. Auf der 9 × 9 Meter großen Fläche wurde bis Mitternacht ausgiebig getanzt, auch gegen die aufkommende Kälte dieser Tage und Nächte. Die Jugend bewachte den Maibaum bis in den frühen Morgen, damit er nicht, wie 2019, abgesägt wird – ebenfalls ein uralter Brauch, der aus den Nachbargemeinden kommt. Vielleicht gönnte man sich nicht gegenseitig den Wunsch und die Hoffnung auf ein gutes Frühjahr …?

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Peter Becker, 01.05.26