Nepalesische Neu-Lübbenauer
Dorit Robarick ist begeisterte Nepal-Reisende, im vergangenen Jahr fand ihre 26. Reise in das Land am Himalaja statt. Sie kommt nicht mit leeren Händen in das Land, immer ist es eine bestimmte Summe, die sie aus Spenden akquiriert hat, um sie dort bedürftigen Einrichtungen zu übergeben. „Die Armut ist groß, aber ich kann ein ganz klein wenig helfen, Not zu mildern. Ich will nicht nur das Land mit seinen überaus freundlichen Menschen als Touristin bereisen, ich will auch etwas zurückgeben“, sagt die motivierte Lübbenauerin, die bereits die nächste Reise plant.






























Von Kathmandu nach Lübbenau – Akademikerpärchen als Neubürger
Wer viel reist, kann viel erleben: Dorit Robarick erinnert sich an einen Zwischenstopp beim Heimflug in Istanbul 2018, als der letzte Flieger nach Berlin nicht mehr erreicht werden konnte. Die Fluggesellschaft bot eine Übernachtung in einem Istanbuler Hotel an, aber längst nicht alle Reisenden durften dazu in die Türkei einreisen, Dorit Robarick schon. Ein Tagesvisum wäre nötig gewesen, wie für den jungen Nepalesen, der erstmalig seine Heimat verließ und nun der Verzweiflung nah war. Er hatte nicht die 30 EUR für das Visum, ihm blieb nur, die Nacht im Transitbereich abzuwarten. Dorit Robarick tat der junge Mann leid, und sie übernahm kurzerhand die Kosten. Man tauschte die Telefonnummern, Abhishek Shrestha, so heißt der angehende Student, bedankte sich viele Male, auch später noch. Eigentlich wäre die Geschichte hier schon zu Ende gewesen, wenn man beiderseits nicht doch wieder in Kontakt getreten wäre, zu groß die Anteilnahme auf beiden Seiten. Dorit Robarick sorgte sich: Benötigt er Hilfe, kommt er im kalten Deutschland klar? Umgekehrt war es immer wieder der Dank, der Menschen aus seiner Kultur wesenseigen zu sein scheint.
Abhishek Shrestha nahm in Berlin ein Informatik-Masterstudium auf und arbeitet heute beim Fraunhofer-Institut. Inzwischen hatte er in Nisha Manandhar seine Partnerin fürs Leben gefunden. Er lernte die Augenärztin in Kathmandu kennen, 2023 heirateten die beiden – und luden ihre deutsche „Mama“ Dorit Robarick zur Hochzeit ein. Der anfangs zufällige Kontakt wurde mit der Zeit intensiviert, die Lübbenauerin half, wo sie konnte. Nisha Manandhar hätte zwar in Kathmandu als Ärztin arbeiten können, aber eine Fernbeziehung wäre für beide nicht die Lösung gewesen. Sie beschlossen daher, ihren gemeinsamen Lebensweg in Deutschland zu gehen.
In der Lübbenauer Altstadt war zufällig eine Wohnung freigeworden, die erfolgreich an die beiden vermittelt werden konnte. Nisha belegt aktuell einen Deutschkurs, sie fährt dazu nahezu täglich in eine Sprachschule nach Königs Wusterhausen. Nisha wird sicher bald als Augenärztin eine Anstellung finden, ihre Sprachfortschritte sind beachtlich. Ihr Gatte Abhishek hat als hochqualifizierter Informatiker bereits eine feste Anstellung.
Seit fast einem halben Jahr sind sie nun Lübbenauer Bürger und finden sich zunehmend besser im deutschen Alltag zurecht. Beide lieben Currywurst – eine „wunderbare deutsche Speise, sie hat mir das Studium in Berlin wesentlich erleichtert“, sagt Abhishek, während seine Gattin Nisha sehr schmackhaften und sehr heißen nepalesischen Tee auftischt. „Mehrere Tassen täglich helfen uns durch die kalten Tage und Nächte“, sagt sie schmunzelnd. Beide sind dankbar, sie erleben überall aufgeschlossene Menschen, Rassismus sind sie noch nicht begegnet (was man angesichts mancher Ereignisse nicht glauben mag).
Ihre besonderen Erlebnisse sind nahezu banaler Natur: Sie kennen keinen Winter, keinen Schnee und auch keine eisigen Temperaturen. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit sind sie unterwegs, toben auch mal wie die Kinder im Schnee und schicken Winterfotos zu ihren Verwandten und Freunden in die alte Heimat, was von denen manchmal etwas ungläubig kommentiert wird. „Wir planen, die nächsten 10 Jahre zunächst hier in Deutschland zu verbringen, danach können wir vielleicht an eine Rückkehr in die alte Heimat denken“, berichten die beiden 40-Jährigen nahezu unisono. Sie haben in Dorit Robarick die Frau im Hintergrund, die ihnen mit Tipps jederzeit zur Seite steht. Sie kennt das Leben in Nepal ebenso wie den deutschen Alltag.
Peter Becker, 02.03.26
Die Lausitzer Rundschau berichtete:
