David Chmelík blickt zurück und nach vorn

David Chmelík blickt zurück und nach vorn

David Chmelík bei seinem Vortrag am 06.07.26 in der Radduscher Sport- und Kulturscheune.

David Chmelík und sein Mut zum Neustart

Die Insolvenz der Slawenburg ist hinlänglich bekannt, der Name David Chmelíksteht allerdings für ein Desaster in dieser touristisch geprägten Region, einer Region mit jahrhundertealtem slawischem Brauchtum. David Chmelík ist sich seiner Verantwortung bewusst – und stellt sich ihr. Das ist ihm erst einmal hoch anzurechnen. Über seine Beweggründe, die Burg zu übernehmen, über sein Scheitern und über seine Zukunftspläne berichtete er am Wochenanfang in der Radduscher Sport- und Kulturscheune. Etwa zwei Dutzend Besucher waren gekommen, Gläubiger, wie Interessierte und Neugierige, auch Radduscherinnen und Radduscher waren anwesend, denn mit dem Verlust der Burg hat auch der Ort an Anziehungskraft verloren.

„Wie gern hätten meine Begleitung und ich bei einer Fahrradtour mal einen Kaffee in der Burg getrunken, aber 13 EUR Eintritt dafür sind ein Unding“, warf die Radduscherin Daniela Werban ein und wies damit auf einen Missstand hin, den es schon seit Bestehen der Burg gibt. „Die Einheimischen kennen die Ausstellung längst, aber sie hätten einfach mal so vorbeischauen wollen“, ergänzt sie noch auf Chmeliks Hinweis, dass zu wenig Einheimische zur Burg kamen.

David Chmelík schilderte im Detail, warum die Burg in Insolvenz ging und belegt dies mit Zahlen und Fakten. Er sprach auch über seine Leichtgläubigkeit, die enormen Betriebs- und Lohnkosten doch „irgendwie stemmen zu können“, denn ein Ort, wie die Slawenburg einer ist, zieht magisch Besucher an und generiert kostendeckend Eintrittsgelder -so seine damalige Überzeugung. David Chmelik: „Es war die erste Insolvenz meines Lebens, aber sie darf nicht das Ende meiner Geschichte sein, einer Geschichte meines Lebens für das Slawentum! Es war mein Fehler, die Gesamtkosten aus dem Auge zu verlieren, ich habe mich zu sehr auf gewinnbringende Veranstaltungen fokussiert – doch die Besucherzahlen waren halt nur mäßig, besonders im Winter. Irgendwann war ich zahlungsunfähig.“

David Chmelík versprach, persönlich für die Außenstände aufzukommen, die noch mancher von ihm einfordert. Dr. Haschke, Kläranlagenbauer aus Preilack, forderte dies ebenso ein, wie Sylvia Domke aus Briesen für Fahrdienste. „Ich brauche das Geld, es sind immerhin 1070 EUR für zwei Monate Shuttleverkehr zur Burg“, sagte sie ihrem ehemaligen Auftraggeber. Der Kläranlagenbauer hatte noch zwei von drei Rechnungen vom Mai 2025 offen, sie belaufen sich auf 550 EUR. Vor Publikum bezeugte Chmelik mehrmals, rechtsverbindliche Vereinbarungen, eventuell auch zu Ratenzahlungen, einzugehen, um alle seine Gläubiger zufriedenzustellen.

Für eine Burgbetreibung unter neuem Vorzeichen hatte er Ratschläge zur Hand: Die Burg muss klein, stabil, ausbaufähig und insbesondere stets slawisch sein. „Ich habe die Burg noch nicht aufgegeben!“ Für den Radduscher Björn Birkhold-Jordan die Gelegenheit, seine Frage einzuwerfen: „Wie stellen sie sich vor, nach all dem Desaster die Stadtverordneten noch einmal von ihrer Person zu überzeugen?“ David Chmelík zeigte sich überzeugt, dass sein neues Konzept, mit stabilen Bürgschaften im Rücken, Überzeugungskraft genug hätten.

David Chmelík nutzte den Abend auch, um sein neuestes Projekt vorzustellen, welches vergleichsweise niedrige Kosten, aber mögliche Gewinne verspricht. „Ich bin im Herzen Slawe und will alles dafür tun, das Slawische, besonders das der beiden Lausitzen, auch in die Herzen anderer zu bringen. Wir Lausitzer sind das Scharnier zwischen West- und Osteuropa, und das kann, sollte und wird sich in gestiegenen Besucherzahlen niederschlagen, davon bin ich fest überzeugt.“

Das Projekt „Slawische Welt Lausitz“ wird von der Stiftung Slavonic Europe mit Sitz in Brüssel getragen, sie ist ein Netzwerk für weltweite slawische Kooperationen. Im Mittelpunkt steht eine Internetplattform, auf der grenzüberschreitende Aktivitäten im slawischen Raum vorgestellt werden. Sie soll ein digitaler Veranstaltungskalender sein, Produkte mit slawischer Etikettierung sollen dort ebenfalls vermarktet werden. (slowjanskiswet.eu)

Nach eineinhalb Stunden mehr oder weniger Monolog endete die Veranstaltung. Manch Besucher verließ kopfschüttelnd den Raum, mancher eher nachdenklich, mancher ging schon vor dem Ende der Veranstaltung. David Chmelík war dennoch zufrieden, da er endlich Gelegenheit zur Abrechnung bekam und gleichzeitig sein neues Projekt vorstellen konnte. „Zufällig fällt der 6. Juli, der Tag unserer Veranstaltung, auf einen tschechischen Nationalfeiertag: Jan Hus wurde an diesem Tag 1415 verbrannt, weil er zu seinen Wahrheiten stand und sie nicht zu widerrufen bereit war.“ Das blieb dann erst mal so im Raum stehen.

Peter Becker, 13.07.26