Sarah Gwiszcz’s Neustart






Es schien, als ob es etwas ruhiger geworden war: Die bekannte Lübbenauer Designerin Sarah Gwiszcz war bei Volksfesten und anderen Events stets präsent, ihre Modenschauen waren bestens besucht und der Höhepunkt eines jeden Festes gewesen. Auch ihr Geschäft in der Lübbenauer Altstadt „lief in letzter Zeit auf Sparflamme“, wie sie rückblickend einschätzt. Der Grund für die Zurückhaltung war ein ganz natürlicher: die Geburt ihres Sohnes! Er beanspruchte von nun an die volle Aufmerksamkeit seiner Mama! Was an sich bei jungen Familien im Angestellten- oder Arbeitsverhältnis zwar auch eine Herausforderung darstellt, aber letztlich doch durch staatliche Unterstützung abgefedert wird, ist bei Unternehmerinnen mit Schwierigkeiten verbunden. „Ohne Mutterschutzversicherung und ohne Rücklagen gerät man da schnell in Schwierigkeiten, das Elterngeld gibt es auf der Grundlage des letzten Steuerbescheids. Aber ich wusste, worauf ich mich einlasse – wenigstens das Kindergeld kam spontan und ohne langwierige Antragstellungen“, sagt Sarah Gwiszcz.
Ihr Geschäft, zugleich ihr Modestudio, sieht sie nach der Elternzeit jetzt wieder regelmäßig. Die Stammkundschaft hielt ihr die Treue, auch weil das Ladengeschäft geöffnet blieb. „Dafür bin ich Heike Killa unendlich dankbar, sie kam täglich aus Neu Zauche ins Geschäft. Ohne sie wäre ich wohl mit mehr Beulen und Schrammen aus der Elternzeit gekommen und hätte alles neu aufbauen müssen“, sagt Sarah Gwiczsz.
Seit Mai verändert sich die Auftragslage wieder zum Positiven und zielt auf das Vor-Vorjahresniveau. Die Designerin: „Erst kürzlich habe ich die Straupitzer Grundschule mit 20 Trachtenblusen und -röcken sowie 15 Westen für Jungen ausstatten dürfen.“ Sie wird beim Nähen immer noch von ihrer langjährigen Schneiderin Martina Lehmann aus Calau unterstützt, der sie sehr dankbar für die lange Zusammenarbeit ist.
In vielen Ämtern und Geschäften mit Publikumsverkehr werden vom Personal ihre Kreationen getragen. Die Designerin legt stets Wert darauf, dass ihre Mode nicht als „neue Tracht“ verstanden wird, sondern als eine Mode, die von der traditionellen Tracht inspiriert ist. Ihr Label „Wurlawy“ ist inzwischen als Marke etabliert, viele Spreewälderinnen haben neben der angestammten niederwendischen Tracht, inzwischen das eine oder andere von Sarah Gwiszcz designte Stück im Kleiderschrank. Immer dann, wenn es darum geht, die Zugehörigkeit zur Kultur der Spreewälder zu zeigen, gelingt dies immer öfter auch durch „Wurlawy“!
Die Radduscherin Anja Kienz hat sich kürzlich ein Kleid von ihr schneidern lassen und wird es zur Einschulung ihrer Tochter Ellena tragen. Über ihre Beweggründe sagt sie: „Wir waren mal kurz in Lübbenau bummeln und da habe ich ein wunderschönes Kleid in Sarahs Schaufenster gesehen, in das ich mich spontan verliebte. Kurz entschlossen ließ ich es von Sarah für mich fertigen. Ich freue mich schon darauf, es zur Einschulung tragen zu können. Schließlich symbolisiere ich damit unserer Tochter und auch allen anderen meine enge Verbindung zu Tradition und Heimat.“
Auch Kinder, zumeist aus traditionsbewussten Elternhäusern, lassen sich gern von Sarah Gwiszcz einkleiden, immer öfter auch zur Einschulung. Damit erfährt dieser Tag für das Kind und für die Familie eine besondere Aufwertung; besonders mit Blick auf die Zukunft, wenn die Einschulungsfotos von „damals“ mal wieder angeschaut werden sollten.
Sarah Gwiszcz ist mit ihrem Geschäft, mit ihrer Mode, längst zu einer festen Größe im Spreewald geworden. Sie ist etabliert, anerkannt und im gesellschaftlichen Leben Lübbenaus und des ganzen Spreewalds nicht mehr wegzudenken. Doch das war nicht immer so: Bei ihrer ersten Modenschau anlässlich des Brandenburgtages 2012 in Lübbenau gab es neben Zustimmung auch Ablehnung. Mancher fühlte sich überfordert und sah ein Konkurrenzprodukt zur wendischen Tracht. Doch Sarah Gwiszcz ließ sich nicht beeindrucken und auch nicht von ihrem Weg abbringen. Im provisorischen Atelier im Ragower Elternhaus entwarf sie Kreation um Kreation, suchte, wo immer es passte die Öffentlichkeit und steht nun auf festen Beinen. In ihrem Geschäft in der Lübbenauer Ehm-Welk-Straße gibt es inzwischen vom Wurlawy-Brautkleid bis zu alltäglicher Kleidung so ziemlich alles aus ihrer Hand. „Besonders Urlauber kaufen gern ein Handtäschchen mit einer Mücken- oder Libellenapplikation, meist dazu noch ein T-Shirt mit dem gleichen Aufdruck. Mücke und Libelle als Spreewaldsymbolik werden in die Welt getragen – so etwas macht mich glücklich!“, sagt die Designerin.
Wenn es die Zeit erlaubt, taucht sie in ihre zweite Leidenschaft ein, in die Musik. Bei der 2020 gegründeten Ragower Band „Wurlawa and the Rockaz“ ist sie die Gesangsstimme. Sarah ist die namensgebende „Wurlawa“. Aus dem niederwendischen übersetzt, heißt das die „wilde Spreewaldfrau“ – und dieser Deutung macht sie mit ihrer röhrigen Stimme alle Ehre. „Das macht den Kopf frei, ich kann, ganz die alte Punkerin, alles aus mir herausschreien und so vielleicht Platz für neue Ideen schaffen“, sagt sie zu ihrem Hobby. Mitglieder der Band sind neben ihrem Vater Andreas Gwiszcz noch Roland Scherz, Alex Berger und Thorsten Schauland. Dass sie die Auftritte in ihrem eigenen Label bewältigt, versteht sich von selbst. „Seht (und hört), hier bin ich, hier bleib‘ ich – ich geh‘ meinen Weg!“
Beispiele aus Sarahs Schaffen:


















Peter Becker, 22.08.26
