LEADER-Exkursion nach Laasow, Groß Klessow und Altdöbern

Mit einem Bus ging es auf Einladung des Spreewaldvereins e.V. auf Exkursion zu ausgewählten Förderstätten des LEADER-Programms. Melanie Kossatz, die Geschäftsführerin des Vereins, verwies während der Fahrt auf bereits geförderte größere und kleinere Objekte in den Dörfern und deren Nutzen für den ländlichen Raum. Fast alle kannten die Objekte vom Sehen, aber nicht jeder den Förderhintergrund. „Die Zukunft des Förderprogramms steht allerdings für 2028 auf der Kippe, es wird eine Neustrukturierung geben“, sagte Melanie Kossatz.
Den Macherinnen des Spreewaldvereins war zumindest unterschwellig der Stolz auf das von ihnen initiierte und begleitete Fördern anzumerken. Ihnen ging es nie um die nüchternen Fakten, denn sie sahen und sehen stets die Menschen, ihre Pläne und auch die Möglichkeiten, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum ergeben. „Jedes funktionierende Objekt ist ein Plus an Lebensqualität, auch für das Umfeld, mancher Arbeitsplatz wird geschaffen, mancher Lebensentwurf erfährt so seine Erfüllung“, sagte Melanie Kossatz mit Blick auf die Fördermaßnahmen.
Ein erster Stopp war in Laasow: Weithin sichtbar zog die in Baugerüste gehüllte Kirche die Blicke auf sich. Das Objekt ist ein LEADER-Förderobjekt mit bedeutendem Ausmaß, denn hier galt es, verschiedene Interessengruppen einzubeziehen und insbesondere größere Beträge einzuwerben. Die Evangelische Gesamtkirchgemeinde im Lausitzer Seenland, der Evangelische Kirchenkreis Niederlausitz, die Laasower Bürgerinitiative mit ihrer engagierten Mitstreiterin Anita Haupt und das Amt für Denkmalpflege stehen hier stellvertretend für unterschiedliche Interessengruppen. Peter Juhran, der Sprecher der Bürgerinitiative: „Ein spendenfinanzierter Eigenanteil, die LEADER-Förderung und eine Nachfinanzierung über 40 000 Euro machten es möglich, dass unsere Kirche fortbestehen wird, sie wird sprichwörtlich im Dorf bleiben, für Kirchen- und Kulturzwecke dienen und nicht zur Ruine verkommen!“ Die Nachfinanzierung ergab sich aus den zutage getretenen zusätzlichen Bauaufwendungen, die sich erst bei den Restaurierungsarbeiten zeigten. Bauleiter Tristan Liebert nannte hier statische Probleme, nicht umweltverträgliche Altlasten und vorwiegend die Dacheindeckung, die zusätzliche Kosten verursachten. Heike Scharkowski von der Unteren Denkmalschutzbehörde brach eine Lanze für das oft gescholtene, angeblich restriktive Vorgehen ihrer Behörde: „Wir achten zwar sehr auf Originalität, beugen uns aber auch den objektiven Gegebenheiten, die wir manchmal zur Kenntnis nehmen müssen. Bei der Laasower Kirche sind es unter anderem die Dachziegel, die sich nirgendwo mehr unter vertretbaren Kosten herstellen lassen. Deshalb haben wir auch der Fertigung der dem Original am nächsten liegenden Kohlebrandziegel, die von einer polnischen Firma hergestellt werden, zugestimmt.“
Andreas Tarz, Ortschronist: „Es wäre schön, wenn der anvisierte Fertigstellungstermin im Mai 2027 realisiert werden kann, denn in dem Jahr steht unsere 750-Jahr-Feier an.“ Für alle Beteiligten eine zusätzliche Motivation!

Peter Juhran (3. v. re.), der Sprecher der Bürgerinitiative, stellt den Teilnehmern das Kirchenprojekt vor, (li. Sarah Plotzky, LEADER-Koordinatorin).

Bauleiter Tristan Liebert erläutert im Laasower Dorfgemeinschaftshaus die Sanierungsdetails und die damit verbundenen Herausforderungen.
Nach einer liebevollen und ausgiebigen Frühstückseinladung im neuen Dorfgemeinschaftshaus, verbunden mit einem Erfahrungsaustausch, ging es zur zweiten Station, nach Groß Klessow.
Manuela Rosenberger hatte hier mit Fördermitteln Teile des elterlichen Wohnhauses umgebaut und eine Physiotherapiepraxis eingerichtet. Sie und ihr Ehemann Martin, den sie liebevoll „mein Hausmeister“ nennt, haben hier etwas geschaffen, was besonders von der älteren Dorfbevölkerung sehr gern angenommen wird. Fußläufig zur Praxis zu kommen, ist für viele ein unschätzbares Gut! „Es ist uns etwas gelungen, was besser geworden ist als gedacht! Wir sind überaus glücklich, diesen Schritt in die Selbstständigkeit gegangen zu sein“, sagte die Therapeutin. Aber auch hier war eine finanzielle Nachjustierung erforderlich, denn die eigentlich nicht geplante Holzfußbodensanierung musste dann doch noch erfolgen. „Schimmelpilz und Gesundheitspraxis vertragen sich nun mal nicht“, sagte Martin Rosenberger.
Die Praxis hat einen solchen Zulauf, dass aktuell Termine nicht mehr vergeben werden können. Manuela Rosenberger gibt den Tipp, sich Termine langfristig zu beschaffen: „Wer demnächst eine Knie-OP hat, sollte sich schon jetzt um Therapietermine kümmern, nicht erst nach der OP!“

Glücklich über die Förderung und die Verwirklichung eines Lebenstraumes: Martin und Manuela Rosenberger.

Martin Rosenberger spricht über die Sanierungsarbeiten mit der LEADER-Koordinatorin Sarah Plotzky.
Mit dem Bus ging es zur letzten Station des Tages, ins Altdöberner „Café Schauwerk“. Amtsdirektor Stefan Reiter, Michael Franke und Inhaberin Marie Läser begrüßten die Gruppe. Michael Franke, LEADER-Regionalmanager der LAG Energieregion Lausitzer Seenland e.V., stellte das umfangreiche Projekt vor. „Nachdem 2018 ein Erstkontakt zu den Antragstellern stattfand, wurde ein Standort für die Umsetzung gesucht. Der ehemalige Antikwarenhandel am Markt bot sich als Café mit Backwarenverkauf an. Bereits 2019 gab es ein positives Votum: Das Projekt stand auf Platz 2 von 23 eingereichten Anträgen – alles ging nun zügig voran und schon im Mai 2020 wurde das Geschäft eröffnet“, fasste Michael Franke das Förderprojekt zusammen.

Besichtigung der Backstube
Inhaberin und Konditormeisterin Marie Läser stellte die Schaubäckerei vor: „Große Fensterscheiben erlauben von der Straße den Blick in unsere Backstube, jeder kann sehen, wie wir arbeiten. Für uns ist, als Träger der Dachmarke Spreewald, die Verwendung regionaler Zutaten enorm wichtig, wobei wir auch Kompromisse eingehen müssen, denn nicht alles ist in der Region vorhanden. Bestimmte Mehlsorten beziehen wir beispielsweise von einer Dresdener Mühle.“
Die junge Unternehmerin, selbst Mutter zweier Kleinkinder, legt großen Wert auf die Mitarbeitermotivation. Meist sind es Frauen in ähnlicher Situation wie sie. In ihrem Betrieb sind 16 Personen beschäftigt. „Wenn ich flexibel auf die oft kurzfristige Dienstplanänderung, etwa wegen Kindkrankheit, reagieren muss, tun es meine Mitarbeiterinnen auch und sind bereit, Mehrbelastungen zu übernehmen“, fasst Marie Läser ihre ersten Chefinnen-Erfahrungen zusammen. Neben dem Alltagsgeschäft sind Backkurse, Kinderveranstaltungen, der Onlineshop und das Dissener Café Liska, das inzwischen auch zum Betrieb gehört, zu bewältigen.

Der Hof der Schaubäckerei wartet ebenfalls auf eine Neugestaltung. Hier sollen – neben einem Terrassenbetrieb – unter anderem Kinderspielplätze und Tiergehege entstehen.
Das „Café Schauwerk“ ist im Alltagsgeschäft angekommen, wenn es auch aktuell größere Umsatzausfälle zu verzeichnen hat. Die angrenzende Straßenbaustelle sorgt für 30 Prozent weniger Einnahmen. Marie Läser: „Das sind im Schnitt 50 Kunden am Tag, die uns fehlen, und ein Ende der Baustelle ist noch in weiter Ferne! Glücklicherweise halten uns unsere Stammkunden die Treue.“
Mit der Vorstellung des neuesten Förderprojektes fand die Besichtigung ihren Abschluss. In den Räumlichkeiten über dem Café sind mehrere Ferienwohnungen und Veranstaltungsräume dank erfolgter Fördermittelzusagen im Entstehen. Auch hier, wie bei fast allen Bauprojekten, sind Überraschungen fast schon normal. Manche Decke verdeckt nur oberflächlich frühere Bausünden, mancher optisch gut erscheinende Fußboden ist es nicht wirklich. Marie Läser: „Die geforderte Rettungstreppe, von der anfangs noch keine Rede war, kostet uns zusätzlich 40 000 Euro! Doch ich bin optimistisch, denn ich habe engagierte Partner an meiner Seite, besonders in der Person des Regionalmanagers Michael Franke, den Ansprechpartnern in der Kommune und beim Spreewaldverein. Wir stemmen das!“

Marie Läser berichtet über die Bauarbeiten in der 1. Etage. Hier entstehen Ferienwohnungen für insgesamt 16 Personen.
Altdöberns Amtsdirektor Stefan Reiter, erst seit neun Monaten in der Funktion, wagt abschließend einen Blick in eine rosige Zukunft: „Der Altdöberner See als Touristenattraktion, ein einladendes Schlossensemble und unser Schauwerk sind unsere Leuchttürme, die zwischen Lausitzer Seenland und Spreewald stehen. Auch wenn es noch etwas dauern wird.“
Mit diesem Optimismus ging es auf den Heimweg. Melanie Kossatz sammelte die zuvor ausgeteilten Fragebögen von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein. „Manches sehen wir vielleicht nicht, manche Idee liegt brach – wir brauchen den Input von den Leuten vor Ort. Leider ist das LEADER-Projekt derzeit eine Erfolgsgeschichte mit ungewisser Zukunft. Gemeinsam muss es uns gelingen, die Förderstrukturen zu erhalten, damit unsere Dörfer weiterhin profitieren können“, sagte abschließend die Geschäftsführerin des Spreewaldvereins.
Weitere Impressionen von der Tour:



















Peter Becker, 15.04.26
Erklärung zum Begriff:
Liaison Entre Actions de Développement de l’Economie Rurale (franz.)
Übersetzt: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft, mit dem Ziel, dass Menschen vor Ort selbst entscheiden sollen, welche Projekte in ihrer Region gefördert werden.