Carsten Schmidt – ein Vetschauer Auswanderer – lebt seit zwei Jahrzehnten in Myanmar

Carsten Schmidt – ein Vetschauer Auswanderer – lebt seit zwei Jahrzehnten in Myanmar

Der in Vetschau aufgewachsene Carsten Schmidt legte 1999 am damaligen Gymnasium, heute das Bürgerhaus, sein Abitur ab. Plötzlich war die Schulzeit, irgendwie von ihm auch herbeigesehnt, vorbei, aber es war noch kein Plan für die Zeit danach vorhanden. Ein Dienst in der Bundeswehr bot sich in dieser Findungsphase an, um über Lebensziele und Wünsche nachzudenken. Carsten merkte in dieser Zeit, dass Fremdes und Fernes auf ihn starke Faszination ausübten. Aber zum Reisen durch die Welt, war vorerst mangels finanziellen Hintergrunds noch keine „Zeit“. Mit einer Ausbildung zum Hotelfachmann im Hochsauerland – schon mal etwas weiter weg von zu Hause – wurde diese Neigung getestet. Carsten Schmidt bildete sich bei Managerkursen weiter, die ihn auch nach Myanmar führten. „Rückblickend war es eine Zeit voller Zufälle und glücklicher Fügungen, die mich in das Land führte, in dem ich heute lebe – und das nun schon im 21. Jahr. Ich habe meinen Traumberuf gefunden“, blickt er während eines Zwischenstopps bei seinen Eltern in Vetschau zurück.

Auf der kürzlich stattgefundenen Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin, wollte er sich, der Travel Group Director für Operations & Products (ICS), mit Kollegen und Kolleginnen aus aller Welt treffen. Carsten Schmidt: „Die diesjährige ITB wurde etwas vom Krieg gegen den Iran überschattet. Einige Geschäftspartner, zum Beispiel aus Jordanien, haben es gar nicht bis nach Berlin geschafft. Auch bei uns waren zwei Kollegen aus den Büros in Bangkok und Saigon betroffen. So mussten einige Termine übernommen werden, aber das war in Ordnung und die drei Messetage waren erfolgreich. Ich freue mich auch auf das nächste Jahr.“ Er hofft auf eine dann ruhigere Weltlage. Bis dahin müssen andere Wege gegangen werden, andere Reiseagenturen als Partner gewonnen werden. Für ihn ist der pazifische Raum ein noch stärker zu bestellendes Feld, denn Gäste aus Kanada und den USA, die beispielsweise nach Japan, Südkorea oder Südostasien reisen, sind von den Ereignissen in der Golfregion weniger betroffen.

Seine Reiseagentur setzt verstärkt auf Nachhaltigkeit und Tierschutz. „Es setzt sich immer stärker das Bewusstsein durch, dass wir nur die eine Welt haben und schonend mit ihr umgehen müssen. Wir planen unsere Touren durch Asien und letztlich durch die Welt unter diesem Aspekt. Es geht dabei um Flugoptimierung ebenso wie um die Schonung der Natur – bei uns gibt es beispielsweise keinen Ritt auf Elefanten oder andere, für Tiere stressige, Unternehmungen“, sagt Carsten Schmidt, der durch seine Spreewälder Heimat die Natur lieben und schätzen gelernt hat. Auf ihn wartet in Yangon Dogge „Humboldt“. Carsten Schmidts Hundebetreuung schickt ihm nahezu täglich Fotos von dem traurig blickenden Hund, was bei dem Reisemanager die Sehnsucht nach zu Hause merklich nährt. Doch erst einmal geht es über Kanada weiter nach Taipei, nach Bangkok und Nepal, bevor er Mitte April wieder daheim in Yangon ist. Eigentlich sollte der Flug schon früher gehen, doch am BER wurde gestreikt.

Carsten Schmidt kam vor seiner Abreise kurz in den Radduscher Spreewald, um bei einem Spaziergang noch einmal Ruhe und Besinnung vor der großen Reise zu finden. Seine Sicht fasst er im nachfolgenden Gespräch wie folgt zusammen: „Heimat wird für mich immer Vetschau und der Spreewald sein, hier habe ich meine Wurzeln und meine Familie. Es ist praktisch, dass ich durch den Beruf und die ITB regelmäßig nach Deutschland kommen kann. Aber ich verstehe nicht, dass es viele Menschen gibt, die unzufrieden und missmutig sind, obwohl es in Deutschland im Vergleich zu zahlreichen anderen Ländern eigentlich gut läuft: Es gibt ein Gesundheitssystem, eine demokratisch gewählte Regierung, Presse- und Meinungsfreiheit, und jeder hat ein Dach über dem Kopf, der es möchte. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Durch meine Reiseprogramme möchte ich ein wenig dazu beitragen, zu zeigen, wie schön die Welt ist, wie schützensbedürftig sie ist – und dass es Menschen auf dieser Welt gibt, denen es nicht so gut geht, die nicht reisen können, aber stets Freundlichkeit gegenüber jedem zeigen und das Leben positiv angehen.“

Peter Becker, 11.04.2026

Information:

Myanmar, das frühere Burma, ist ein südostasiatischer Staat mit Grenzen zu Indien, Bangladesch, China, Laos und Thailand, in dem mehr als 100 ethnische Volksgruppen leben. Zu den Sehenswürdigkeiten in der größten Stadt Yangon (ehemals Rangun) gehören quirlige Märkte, zahlreiche Parks und Seen sowie die große vergoldete Shwedagon-Pagode aus dem 6. Jh., die buddhistische Reliquien beherbergt. Bis 2005 war Rangun die Hauptstadt Myanmars; der Regierungssitz wurde dann aber nach Naypyidaw verlegt. (Wikipedia)