Die schönste Schallschutzwand wird in Raddusch gebaut

Die schönste Schallschutzwand wird in Raddusch gebaut

Bereits am 24. November des letzten Jahres wurde vom Entwicklungsbüro Strauss & Hillegaart den Radduscherinnen und Radduschern eine Konzeption zur Gestaltung der die Ortslage begleitenden Lärmschutzwände vorgestellt. Diese befinden sich beidseitig der geplanten zweigleisigen Strecke mit einer Ausdehnung von 850 Meter, insgesamt sind es 1,2 Kilometer Schutzwand. Die Höhe beträgt zwischen zwei und vier Meter.

Das Konzept wurde damals erwartungsgemäß kontrovers diskutiert, die Vorstellungen der Anlieger waren durchaus unterschiedlich. Gerade die Wohnlagen am Bahndamm sind unmittelbar betroffen, denn so mancher Blick in die Landschaft wird nun durch eine hohe Wand verhindert. Es schien sich aber auch die Erkenntnis durchzusetzen, dass man Kompromisse eingehen muss, wenn man Lärmschutz haben will. Am Ende der Diskussion wurde abgestimmt, der Ortsbeirat fertigte ein Protokoll an und übergab es an Gestaltungsbüro und Deutsche Bahn.

Fast vier Monate später, am 12. März 2026, erfolgte nun die Vorstellung der finalen Version der Wandgestaltung in der Radduscher Sport- und Kulturscheune. Markus Hillegaart vom Entwicklungsbüro und Stephan Baumgartl, Stakeholdermanager (das ist ein „Interessenausgleicher“) der Deutschen Bahn, stellten abschließend die Gestaltung noch einmal vor und beantworteten Fragen. Auch diesmal kamen die teils unterschiedlichen Vorstellungen zum Tragen, auch die der Bahn! Stephan Baumgartl: „Wir wollen unseren Kunden ein attraktives Umfeld bieten, wir möchten, dass der Radduscher Bahnhof sich im Interesse der Fahrgastentwicklung positiv darstellt und legen daher auch auf eine innenseitige Gestaltung großen Wert. Dies soll mit Spreewaldbildern und historischen Bahnmotiven gelingen. Grundsätzlich kommen drei grünlich gehaltene Farbverläufe zur Anwendung, keine einfarbig graue Wand wie vielerorts. Raddusch bekommt somit die attraktivste Schallschutzwand zwischen Cottbus und Lübbenau!“

Den Anwohnern ging es eher um die Ansichten, die sie dann tagtäglich vor ihrer Haustür haben. Die innenseitige Gestaltung war daher für manche eher ein Randproblem. „Wir müssen die Außenseite jeden Tag sehen, der Reisende nur einmal kurz die schönen Innenseiten, wenn überhaupt“, war dem Zuhörerraunen zu entnehmen.

Anwohner Björn Birkhold-Jordan fast die Befindlichkeiten zusammen: „Ob sich die Lebens- und Wohnqualität verbessert, kann man noch nicht sagen. Es mag ruhiger werden, jedoch bekommen wir eine Wand vor die Nase gestellt, bei der das Gefühl bleibt, vom Dorf abgeschnitten zu sein. Farblich wird sich die Wand von Frühjahr bis Herbst gut einpassen, jedoch im Winter haben wir es ‚immergrün‘… Eine Umstellung wird es für uns Anwohner auf jeden Fall werden. Zur Gestaltung haben sich die Grafikdesigner sehr viel Mühe gegeben, sodass die Wand sich gut einpassen wird. Es bleibt abzuwarten, wie es dann tatsächlich aussieht. Löblich kann hervorgehoben werden, dass sich die Bahn geöffnet hat und ein wenig auf die Wünsche der hier lebenden Anwohner eingegangen ist. Ein Dank geht an unseren Ortsbeirat, welcher sich für uns einsetzt, wir fühlen unsere Interessen gut vertreten.“

Mancher Anwohner wünschte sich die Fortsetzung der Motivwände, nicht nur die etwas schlichtere dreifarbige Wandgestaltung. Stakeholder-Manager Baumgartl verwies in diesem Zusammenhang auf die Kosten, die mit jedem zusätzlich gestalteten Feld enorm ansteigen. Zumal auch noch Graffitischutz aufgetragen werden muss. „Ihre Häuser erfahren durch die Lärmschutzwände eine Aufwertung, keine Abwertung“, ergänzte er noch und war dabei um Ausgleich der Interessen bemüht.

Ortsvorsteher Udo Saaro brachte es am Ende des Tages auf den Punkt: „Wir haben alles miteinander aufgewogen und an die Bahn übergeben – irgendwann muss auch ein Schlusspunkt gesetzt werden. Wir sind froh, eine Schallschutzwand zu bekommen!“ Vetschaus Bürgermeister Chris Mielchen freut sich jedenfalls und beglückwünschte die Radduscher zur schönsten Schutzwand zwischen Cottbus und Lübben!

Die Errichtung der Lärmschutzwände erfolgt im Rahmen der einjährigen Totalsperrung zwischen Dezember 2026 und Dezember 2027.

Peter Becker, 20.03.26